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Gemeinsam wachsen – stark im Amt, sichtbar im Alltag
Qualifizierung der Interessenvertretung
Die Wahl in die Interessenvertretung ist ein besonderer Schritt. Mit dieser Aufgabe übernehmen die gewählten Mitglieder Verantwortung – für sich selbst, für andere Teilnehmende und für die Mitgestaltung des Maßnahmenalltags in der beruflichen Bildung.
Um sie dabei zu unterstützen, wurde eine praxisnahe Schulungsreihe entwickelt. Sie begleitet die Teilnehmenden auf ihrem Weg als Interessenvertretung – stärkt sie in ihrer Rolle, fördert den Zusammenhalt im Team und schafft Raum für Austausch und Entwicklung.
Die einzelnen Module ermöglichen es,
- sich der eigenen Stärken, Interessen und Anliegen bewusst zu werden
- Aufgaben und Zuständigkeiten zu klären
- Ansprechpartner*innen kennenzulernen
- sich mit Rechten, Kommunikation und Organisation auseinanderzusetzen
- gemeinsam Arbeitsformen zu entwickeln und zu erproben
Ziel ist es, die Teilnehmenden in ihrer Selbstvertretung zu stärken und Beteiligung aktiv zu fördern. Die Inhalte orientieren sich an den gesetzlichen Rahmenbedingungen – insbesondere an den Zielen des Bundesteilhabegesetzes.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Peer-Support: Menschen mit eigener Erfahrung in Interessenvertretung und/oder Behinderung begleiten die Schulungen als Expert*innen – sowohl durch externe Anbieter wie GUT GEFRAGT gGmbH aus Hamburg als auch durch engagierte Teilnehmende aus dem Projekt Expert*innen für Arbeit bei der Hamburger Arbeitsassistenz.
Jedes Modul steht für sich, ermöglicht aber durch wiederkehrende Themen und Methoden ein vertieftes Lernen im Verlauf. Es handelt sich jeweils um eintägige Seminareinheiten von 10:00 bis 16:00 Uhr, inklusive Pausenzeit.
Module der Qualifizierung und Zielsetzungen
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Modul 1: Mein Team stark machen!
Durchgeführt von GUT GEFRAGT gGmbH
Leitfragen:Wie arbeiten wir als Interessenvertretung zusammen?
Welche Werte und Ziele haben wir als Team?
Zielsetzung:
Die Teilnehmenden lernen sich untereinander mit ihren Wünschen, Vorstellungen, Stärken und Erfahrungen kennen. Sie entwickeln gemeinsame Teamregeln und schaffen eine Grundlage für gemeinsame Erfahrungen und Zusammenarbeit als Interessenvertretung.
Arbeitsweise & Methoden:- Praktische Übungen
- Rollenspiele zur Zusammenarbeit
- Kleingruppenarbeit
Hinweis zur Übertragbarkeit:
Dieses Modul eignet sich besonders als Auftakt der Qualifizierungsreihe. Die Teilnehmenden kommen aus verschiedenen Maßnahmen und starten gemeinsam als neue Interessenvertretung.
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Modul 2: Rechte von Menschen mit Behinderung – Grundlagen und Orientierung
Durchgeführt von GUT GEFRAGT gGmbH
Leitfragen:- Welche Rechte sind für Menschen mit Behinderung wichtig?
- Welche Gesetze und Regelungen spielen im Kontext von Arbeit und Teilhabe eine Rolle?
- Was ist die UN-Behindertenrechtskonvention?
- Was bedeutet das Bundesteilhabegesetz?
- Wie werden Rechte im Alltag umgesetzt?
Zielsetzung:
Die Teilnehmenden kennen grundlegende Rechte von Menschen mit Behinderung. Sie wissen, welche Rechte in den Maßnahmen eine Rolle spielen, und verstehen zentrale rechtliche Grundlagen von Teilhabe und Selbstvertretung.
Arbeitsweise & Methoden:- Fallbeispiele
- Diskussionen
- Austausch mit Expert*innen
- Arbeit mit Materialien in Einfacher Sprache
Praxisbeispiel / Hinweis zur Übertragbarkeit:
Das Modul kann mit Materialien in Einfacher Sprache besonders barrierearm gestaltet werden.
Verweise auf bewährte Quellen: -
Modul 3: Gute Gespräche führen – miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam stark
Durchgeführt von GUT GEFRAGT gGmbH
Leitfragen:- Wie kann ich gut zuhören und andere ernst nehmen?
- Wie finde ich Argumente in einer Diskussion?
- Wie verhalte ich mich in schwierigen Gesprächssituationen?
- Wie bewahre ich Ruhe in hitzigen Situationen?
Zielsetzung:
Die Teilnehmenden erweitern ihre Kommunikationskompetenz für Gespräche im Team und mit anderen Personen. Sie üben, sich in neuen Gruppen vorzustellen, ein Anliegen zu benennen und als Interessenvertretung sichtbar zu werden.
Arbeitsweise & Methoden:- Rollenspiele
- Feedbackrunden
- Gesprächsübungen in Kleingruppen
- Vorstellungsrunden mit Anliegen
So haben wir es umgesetzt – eine Idee für die Praxis:
In diesem Modul üben die Teilnehmenden u.a., sich persönlich bei einem persönlichen Termin vorzustellen. Sie erzählen, wer sie sind, in welcher Maßnahme sie gerade sind, was sie zur Interessenvertretung motiviert und welches Anliegen sie vertreten. Die Übung bereitet auf einen konkreten Termin vor und lässt sich direkt im Arbeitsalltag anwenden.
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Modul 4: Gemeinsam starten – Orientierung, Aufgaben, Sichtbarkeit
Leitfragen:
- Was ist wichtig, über den Träger zu wissen?
- Welche Haltung und Angebote prägen die Arbeit?
- Wer sind unsere Ansprechpersonen?
- Welche Bereiche sind für unsere Arbeit als Interessenvertretung besonders relevant?
- Welche Vereinbarungen bestehen mit der Geschäftsführung?
- Wie können wir unsere Aufgaben entdecken und gestalten?
- Wie werden wir als Interessenvertretung sichtbar?
Zielsetzung
Die Teilnehmenden lernen den Träger, seine Strukturen, Haltungen und zentralen Personen kennen.
Sie entdecken erste Aufgaben für ihre Rolle als Interessenvertretung, entwickeln ein gemeinsames Grundverständnis und beginnen, sich im Haus sichtbar zu machen. Dabei steht im Fokus, die eigene Rolle aktiv und mitgestaltend zu verstehen.
Arbeitsweise & Methoden- Gespräche mit Geschäftsführung, Verwaltung, Fachbereichen und Expert*innen für Arbeit
- Steckbriefe zu Ansprechpersonen erstellen (z. B. „Wer war das noch mal?“ – in einfacher Sprache)
- Visualisierung eines Organigramms mit eigenen Schnittstellen
- Einführung und Nutzung eines Grundlagenpapiers zur Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung
- Entwicklung eines Aktionsplans: Wer ist wofür zuständig? Wo gibt es gemeinsame Aufgaben
- Methoden zum „sich bekannt machen“: Vorstellung, Fotos, kleine Präsentationen, Plakat, digitales Türschild
- Arbeiten mit Symbolen, einfachen Texten und Materialien, die leicht zugänglich sind
Unsere Erfahrung – ein Impuls zur Umsetzung:
In diesem Modul setzen sich die Teilnehmenden aktiv mit der Struktur des Trägers auseinander. Sie lernen zentrale Personen kennen und beginnen, sich als Interessenvertretung im Haus sichtbar zu machen.
Dazu gehörte z. B. ein gestaltetes Plakat mit Fotos und Aufgaben der Interessenvertretung, ein Türschild sowie die Vorstellung bei einer Online-Dienstbesprechung.
Parallel dazu wurde gemeinsam ein Grundlagenpapier mit der Geschäftsführung entwickelt, um die Zusammenarbeit zu strukturieren.
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Modul 5: Sich organisieren – Strukturen für unsere Arbeit schaffen
Leitfragen:
- Wie organisieren wir uns als Interessenvertretung?
- Wie nutzen wir E-Mail, Kalender und Protokolle?
- Wie arbeiten wir mit digitalen Tools und Formularen in einfacher Sprache?
- Wie tauschen wir Informationen aus und bereiten sie für uns verständlich auf?
- Wie richten wir uns in unserem Raum ein?
- Welche Werkzeuge helfen uns, unsere Aufgaben im Blick zu behalten?
- Wie unterstützen uns digitale Hilfsmittel im Alltag?
Zielsetzung:
Die Teilnehmenden lernen Möglichkeiten kennen, sich als Team gut zu organisieren.
Sie erproben digitale Werkzeuge für die Kommunikation und Strukturierung ihrer Arbeit, richten sich in ihrem Büro ein und entwickeln erste Routinen. Der Fokus liegt auf praktischen Übungen, die den Arbeitsalltag erleichtern und Teilhabe ermöglichen.
Arbeitsweise & Methoden- Praktische Übungen mit der INA-Coach-App (z. B. E-Mail schreiben, einfache Formulare ausfüllen)
- Nutzung und Übung digitaler Formulare (z. B. Terminabsprachen, Rückmeldungen für Fachkräfte)
- Gemeinsames Einrichten und Ausprobieren einer Messenger-Gruppe (in unserem Fall Signal) zur Kommunikation im Team
- Einführung und Nutzung einer Task Card für gemeinsame Terminplanung
- Einrichtung des festen Arbeitsraums: Was ist da? Was brauchen wir? Was fehlt noch?
- Visualisierung eines eigenen „Arbeitsplatzplans“ – analog oder digital (Whiteboard, Flipchart, Foto)
- Übung: Termin vorbereiten – mit Hilfe eines digitalen Formulars (z. B. Rückmeldung an Fachdienst oder Anfrage an Verwaltung)
- Reflexion: Was hilft mir, mich zu organisieren? Welche Tools funktionieren gut für mich?
So haben wir es umgesetzt – eine Idee für die Praxis
Die Teilnehmenden haben sich ihren eigenen Raum eingerichtet: Schränke sortiert, Materialien beschriftet, Ablagen geschaffen. Sie haben gemeinsam eine Task Card für die Interessenvertretung eingerichtet und erste Termine eingetragen.
Außerdem wurde eine Signalgruppe zur internen Abstimmung aktiviert. Mit der INA-Coach-App übten die Teilnehmenden, E-Mails zu schreiben und digitale Formulare auszufüllen.
Ein digitales Vorbereitungsformular wurde genutzt, um eine geplante Rückmeldung an den Fachdienst vorzubereiten.
Diese Elemente wurden direkt in den Arbeitsalltag übernommen. -
Modul 6: Wir zeigen, was wir können – sicher auftreten und sich präsentieren
Leitfragen:
- Wie bereiten wir im Team ein Thema verständlich auf?
- Wie treten wir sicher vor einer Gruppe auf?
- Welche Aufgabe möchte ich übernehmen – sichtbar oder im Hintergrund?
- Welche Technik nutzen wir für unsere Präsentation?
- Was ist das Ziel unserer Veranstaltung – informieren, Austausch anregen, Fragen beantworten?
- Wie geben wir uns gegenseitig Feedback?
- Was hilft mir, wenn ich aufgeregt bin oder vor anderen sprechen soll?
Zielsetzung:
Die Teilnehmenden lernen, ein Thema gemeinsam zu planen, inhaltlich aufzubereiten und in einem selbst gestalteten Workshop zu präsentieren.
Dabei stärken sie ihre Sicherheit im Auftreten, üben den Umgang mit Technik und reflektieren ihre Rolle im Team.
Ziel ist es, sich als Interessenvertretung sichtbar zu machen und Informationen verständlich weiterzugeben.
Arbeitsweise und Methoden:- Gemeinsame Themenrecherche mit Hilfe einer Checkliste
- Rollenverteilung im Team nach eigenen Stärken und Interessen
- Strukturierung eines Workshop-Ablaufs mit klarer Zielsetzung
- Einsatz von Medien und Technik (z. B. Flipchart gestalten, mit PowerPoint präsentieren, Umgang mit Laptop und Whiteboard)
- Übungen zu Körpersprache, Stimme und Auftreten
- Feedbackrunden innerhalb der Gruppe zur Reflexion und Weiterentwicklung (Verwendung von kukuk plus Materialien)
- Begleitung durch die Vertrauensperson während des gesamten Prozesses
- Impuls und Austausch mit einem externen Experten zum Thema Lampenfieber
Unsere Erfahrung – ein Impuls zur Umsetzung:
Die Gruppe entwickelte einen Workshop zum Thema „Mit Ausweis mehr Möglichkeiten? Infos und Austausch zum Schwerbehindertenausweis“.
Die Inhalte wurden gemeinsam recherchiert, Aufgaben verteilt und die Präsentation vorbereitet. Mit Hilfe einer Checkliste wurden Zeitrahmen, Ablauf und Medieneinsatz geplant.
Die Durchführung fand in kleiner Runde statt, begleitet von Rückmeldungen aus der Gruppe und einem Austausch mit einem eingeladenen Experten für Arbeit (Peer-Support).
Der entstandene Workshop kann künftig wieder eingesetzt oder angepasst werden.